Dezember 2008 Immobilien Manager – Ein Ring schafft Klarheit

CAFM

Während in den USA und anderen Märkten meist nur eine Handvoll Softwareanbieter für Facility Management aktiv sind, tummeln sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens 30 Unternehmen. Die Spreu vom Weizen zu trennen ist selbst für Branchenkenner nicht leicht. Das möchte der CAFM- Ring ändern.
Anfang Oktober, vor Beginn der Expo Real, hat er sich gegründet: Der CAFM- Ring. Als Zusammenschluss der Herstellern von Facility- Management- Software.(CAFM) will er sich auf Basis einer Selbstverpflichtung verbindliche Qualitätskriterien im Markt für CAFM-Software etablieren. Das Gremium steht allen Anbietern entsprechender Software offen, deren Produkte und Unternehmen die in den Statuen festgelegten Anforderungen erfüllen. Diese Anforderungen sind für jeden Interessierten einsehbar.

Bisher fehlt Transparenz

„Jede Entwicklung, die mehr Struktur in diesen sehr heterogenen Markt bringt, ist erfreulich“, begrüßt Jörg Hossenfelder die Gründung des Rings. Als Geschäftsführer beim Marktforschungsinstitut Lünendonk in Kaufbeuren ist er unter anderem zuständig für das Gebiet Facility- Management(FM) und publiziert mit seinem Team regelmäßig Analysen zum Markt. Den verfolgt er seit Jahren, inklusive seiner Widrigkeiten: „Ein Ziel sollte sein, Nachhaltigkeit und Qualitätskriterien im Markt durchzusetzen“, fordert der unabhängige Experte, denn dann habe der CAFM- Ring eine großartige Gelegenheit zu trumpfen. Sein Rat: „Wenn es der Ring schafft, eine Art Gütesiegel zu etablieren, böte das den Nutzern mehr Sicherheit, denn es zeigt, dass Regeln und Standards eingehalten werden.“ In dieselbe Richtung argumentiert Michael May, Professor am FM-Lehrstuhl der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. „Es ist jede Aktivität zu begrüßen, die im Interesse der Anwender zu mehr Transparenz, Akzeptanz und Qualität von CAFM in Deutschland beiträgt. Hier haben wir im internationalen Maßstab einen deutlichen Nachholbedarf“, erklärt der Leiter des Arbeitskreises CAFM im unabhängigen Branchenverband German Facility Management Association8 (GEFMA) und fährt fort: „Wir sind gern bereit, im Interesse der CAFM-Anwender mit dem CAFM-Ring zu kooperieren, da es viele Übereinstimmungen in den Zielen beider Initiativen gibt, unter anderem bei er Zertifizierung von CAFM-Software als Bestandteil der GEFMA-Qualitätsoffensive.“

Maximale Mögliches nicht mit Notwendigem verwechseln

Einer Qualitätsoffensive scheint tatsächlich überfällig, denn selbst die jährlich erscheinenden Marktübersichten zu CAFM-Software helfen Investitionswilligen nicht immer weiter. So scheint mancher Hersteller in den Fragelisten zu den Funktionen seiner Software teilweise auch Kreuze zu setzen, um nicht hinter anderen zurückzubleiben. Ob diese Funktion dann erst beim Kunden entwickelt wird, ob sie schon vorhanden oder in welcher Tiefe sie bereits in der Software integriert ist, verraten die Tabellen nicht. Entsprechend steigt die Gefahr des Fehlgriffs, wenn sich jemand blind auf die Angaben verlässt.

CAFMRING

Gleiches gilt für einen ersten Blick auf die Bedienoberfläche einer Software. Gute Ideen werden adaptiert, aber nicht immer hält der Anschein, was er vordergründig verheißt. Was also tun? „Erfolgreichen Installationen geht grundsätzlich eine solide Evaluation voraus“, sagt Rainer Hutz, Vorstand der Loy & Hutz AG. Sie gehört zusammen mit Aperture, Conject und Speedikon zu den Gründungsmitgliedern des CAFM-Rings. Mit Evaluation meint Hutz zum einen, dass Kunden ihre hausinternen Prozesse definieren und aus diesen die Notwendigkeiten ableiten. Dabei sollten sie sich hüten, das Maximum der Möglichkeiten mit diesen Notwendigkeiten zu verwechseln. Im Zuge der Ausschreibung die Kunden dann zum anderen den einzelnen Anbietern gründlich auf den Zahn fühlen, sich Funktionen zeigen lassen und für Mitarbeiter die Chance einfordern, selber die jeweilige Software auszuprobieren. Auch die Frage der Nachhaltigkeit gilt es auszuloten.
Dem Rat manches Fachberaters, gleich ein umfangreiches Softwarepaket zu erwerben, widersprechen die Hersteller. „Es ist oftmals besser, die verschieden Module eines CAFM-Systems nach und nach einzuführen, statt gleich ein komplettes System zu kaufen“, rät Ralf Golinski, bei Ring-Mitglied Conject zuständig für den Geschäftsbereich CAFM. „Durch die schrittweise Einführung macht sich das Personal schneller mit der Applikation und den nachfolgenden Erweiterungen vertraut. Der konkret erfahrbare Nutzen in der täglichen Arbeit stellt sich rascher ein. Der gewünschte Projekterfolg ist einfacher herbeizuführen.“ Zudem schont der sukzessive Kauf das Kundenbudget. „Kunden möchten so wenig wie möglich und nötig bezahlen“, berichtet Jens Coosmann vom Systemhaus e-Task. Allerdings: „Das billigste Angebot ist oft nicht die günstigste Lösung“, so der Projektmanager. Günstige Preise werden in der Regel mit einem geringen Funktionsumgang erkauft. Der schränkt komplexe Analysen ein. Und häufig ist solche Software nur mit großem Aufwand zu erweitern. Bei verschenkter Software ist in der Regel die Anpassung an die Kundenprozesse teuer, gleiches gilt für den Support. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass eine CAFM-Software eine Anschaffung ist, deren kostenminimierende Effekte erst über die Jahre zum Tragen kommen“, warnt Coosmann vor angeblichen Schnäppchen. Der Preis hat seine Berechtigung: Eine gute Software ist reich an Schnittstellen zu anderen Applikationen und bietet vielfältige Analyse- und Kombinationsmöglichkeiten bis hin zu automatisch generierten Auswertungen zu einzelnen Gebäuden, Räumen, Verbrauchs- und Kostenstellen oder Nutzen. Damit lässt sie sich für so komplexe Aufgaben wie Historienerstellung und perspektivisches Energiemanagement verwenden.

„Das billigste Angebot ist oft nicht die günstigste Lösung“

Unter all diesen Aspekten scheint der CAFM-Ring als Qualitätsinitiative begrüßenswert. Kritisch ist jedoch die Zahl seiner aktuellen Mitglieder: „Es musste ein Startschuss erfolgen, aber die Idee steht und fällt mit der Frage, ob sich mehr Anbieter in den Ring einbringen“, merkt Lünendonk-Manager Hossenfelder an. Allerdings entfällt auf die aktuell vier Mitglieder des CAFM- Rings nach eigenen Angaben mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes im CAFM-Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz – verlässliche Zahlen gibt es auch hierzu nicht. Die vom Ring beabsichtigte Interoperabilität und die Kompatibilität zwischen den verschiedenen Produkten würden herstellerunabhängige Zukunftssicherheit für den Anwender bedeuten.

Quelle: ImmobilienManager 12 2008

 

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